Die Entscheidung des Tönnies Konzerns, die „Eberswalder“ Wurstwerke in Britz nur zweieinhalb Jahren nach der Übernahme stillzulegen, rief unter den Beschäftigten und in der Öffentlichkeit Entsetzen und Unverständnis hervor. Über 500 Menschen werden auf die Straße gesetzt, eine jahrzehntelange ostdeutsche Tradition sang- und klanglos abgewickelt.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gibt mit einer Veranstaltung am Samstag, dem 14.02.2026, den Beschäftigten und Bewohnern von Eberswalde die Möglichkeit, Abschied zu nehmen – und auch ihre Wut zum Ausdruck zu bringen.
„Wenn eine lange Tradition endet, ist das ein schmerzlicher Verlust. Und wenn wir einen Verlust erleiden, hilft es immer, sich mit den anderen zusammenzufinden, die in derselben Situation sind“ sagt Uwe Ledwig, Vorsitzender der NGG im Landesbezirk Ost. „Das ist der Sinn jeder Trauerfeier und nach Jahrzehnten von Freud, Leid und Kampf in den Eberswalder Wurstwerken halten wir eine solche nun für mehr als angemessen. Damit zollen wir der Leistung der Beschäftigten den Respekt, welcher ihnen vom Tönnies vorenthalten wurde.“
Symbolisch um Fünf nach Zwölf soll die Veranstaltung vor dem – bald ehemaligen – Werkstor beginnen. Bei Würstchen und Getränken soll der gemeinsamen Erlebnisse gedacht und ein Stück Eberswalder Regionalgeschichte verabschiedet werden. Doch nur Ruhe und innere Einkehr ist nicht zu erwarten: „Viele sind auch zu Recht wütend“, erinnert NGG-Mann Ledwig: „Wütend auf die nicht eingehaltenen Versprechungen des Tönnies-Konzerns, die sich als Luftnummer entpuppten. Wütend darauf, nach jahrzehntelanger Lohnzurückhaltung nun mickrige Abfindungen zu bekommen. Wütend auf das rücksichtslose Profitstreben, das abermals Tradition und harte Arbeit in den Schatten stellte.
Wütend auf eine ohnmächtige Landespolitik, die Hilfestellungen verweigerte und dann Krokodilstränen vergoss. Und wir sind sicher, dass auch das zum Ausdruck kommen wird“.
Nach all den Jahrzehnten des Kampfs in den Eberswalder Wurstwerken weigern sich die Gewerkschafter der NGG einfach sang- und klanglos zu verschwinden. Nicht zuletzt müssten Lehren gezogen werden, sagt Ledwig: „Wenn es keine Reformen beim Betriebsverfassungsgesetz, konkret bei dessen Paragraph 112a (2), gibt, war das nicht der letzte schlingernde Betrieb, der von einem Großkonzern gekauft und dann stillgelegt wird“. Die Veranstaltung am 14.02. solle auch als Mahnung dienen, dass Politik in der Verantwortung steht, die Gier-Exzesse der Großkonzerne einzuhegen.
Zur Trauerfeier:
Die Veranstaltung beginnt am 14.02.2026 um 12.05 Uhr am Werkstor (Joachimsthaler Str. 100, 16230 Britz). Es wird solange der Vorrat reicht, Wurst vom Grill und Heißgetränke geben. Die Veranstaltung ist öffentlich, um eine Anmeldung mit Nennung der Teilnehmerzahl unter region.berlin-brandenburg@ngg.net wird gebeten.
















