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Barnim Aktuell » Eberswalde » Aus der Forschung in die Praxis: Eberswalder Neurologie-Klinik setzt hohe Erwartungen in neue Behandlungsform

Aus der Forschung in die Praxis: Eberswalder Neurologie-Klinik setzt hohe Erwartungen in neue Behandlungsform

Therapie gegen Demenz
  • 16. August 2025
  • Eberswalde
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Dr. Albert Grüger, Foto: GLG
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Eberswalde: Fortschritte im Kampf gegen die Alzheimer-Demenz werden von einer neuen Therapieform erwartet, die im Frühjahr für die EU zugelassen wurde. Ab Oktober sollen auch erste Patienten der Klinik für Neurologie des GLG Martin Gropius Krankenhauses in Eberswalde davon profitieren. Die Klinik befindet sich seit kurzem vollständig am Standort des GLG Werner Forßmann Klinikums, ebenfalls in Eberswalde. Warum das so ist und was es in der Neurologie an medizinischen Neuentwicklungen gibt, darüber sprach der Chefarzt der Klinik, Dr. Albert Grüger, in einem Interview.

Neue Möglichkeiten bei der Behandlung von Alzheimer – viele Menschen hoffen darauf und verbinden mit einer solchen Nachricht hohe Erwartungen. Wie beurteilen Sie als erfahrener Neurologe die Botschaft und was ist konkret vorgesehen?

Dr. Albert Grüger: Es geht um eine neue Form der Antikörpertherapie. Die Patienten erhalten Infusionen mit Antikörpern, die schädliche Amyloid-Ablagerungen im Gehirn abbauen und deren weitere Bildung verhindern sollen. Amyloide sind Eiweiße, die der Körper selbst produziert und deren Ablagerungen die Nervenzellen in ihrer Funktion beeinträchtigen. Sie gelten als ein Hauptfaktor für die Degeneration des Gehirns bei Alzheimer-Patienten. Mit Hilfe der Antikörpertherapie soll der demenzielle Abbauprozess verlangsamt und das Fortschreiten der Krankheit aufgehalten werden. In den USA besteht diese Behandlungsmöglichkeit seit mehreren Jahren und hat sich als wirksam erwiesen. In der EU ist die Therapie seit Mai zugelassen. Voraussetzung für die Anwendung ist, dass sich die Demenz in einem frühen Stadium befindet. Außerdem muss ein Gentest erfolgen, um ein mögliches Risiko von Nebenwirkungen einschätzen zu können. Wir werden im Herbst beginnen, bei einigen nach diesen Kriterien geeigneten Patienten die neue Therapieform einzusetzen. Wir gehen davon aus, dass dies die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern wird und die Krankheit in ihrem Verlauf stark verzögert. Eine Heilung der Demenz ist damit jedoch nicht erreichbar.

Auch bei anderen Krankheiten werden Antikörper zur Behandlung eingesetzt. Was geschieht da genau und mit welchem Erfolg?

Dr. Albert Grüger: Antikörper haben bekanntlich wichtige Funktionen im Immunsystem – sie können Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren erkennen und unschädlich machen. Ähnlich ist das bei der Antikörpertherapie, nur werden die Antikörper hierfür im Labor hergestellt. Die Labor-Antikörper sind in der Lage, bestimmte Strukturen auf Zelloberflächen zu erkennen und sich an diese zu binden und so zum Beispiel Viren, die in den Körper eingedrungen sind, zu markieren. Gleichzeitig regen sie Immunzellen dazu an, die erkannten Krankheitserreger anzugreifen. Schon länger werden solche Antikörper unter anderem in der Krebstherapie erfolgreich eingesetzt. Sie können sich z.B. an Krebszellen heften und deren Stoffwechsel behindern. In bestimmten Fällen, insbesondere bei Blutkrebs und Lymphomen, werden damit auch hier, im Onkologischen Zentrum Barnim des Eberswalder Klinikums, beachtliche Erfolge erzielt. Doch auch im Bereich der Neurologie sind Antikörpertherapien nicht neu. Seit einigen Jahren schon beschränkt sich ihr Einsatz nicht mehr nur auf typische Autoimmunerkrankungen wie Myasthenie oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). So wird z.B. erforscht, inwieweit sie sich auch zur Unterbrechung der Schmerzweiterleitung anwenden lassen. Damit ergeben sich immer weitere Behandlungsfelder. Wir führen Antikörpertherapien bereits erfolgreich bei der Behandlung von Patienten mit ALS oder Multipler Sklerose (MS) durch, verfügen also über Erfahrungen. In der Alzheimer-Therapie sind es bisher spezielle Medikamente, sogenannte Antidementiva, die uns zur Verfügung stehen, um die Symptome der Krankheit zu lindern und die Selbstständigkeit der Betroffenen lange zu erhalten. Mit der neuen Antikörpertherapie eröffnen sich nun weiter reichende Möglichkeiten.

Neu ist außerdem die Zusammenführung der Klinik am Standort des GLG Werner Forßmann Klinikums. Warum war die Klinik vorher geteilt und was führte zu diesem Schritt?

Dr. Albert Grüger: Schon 2007 wurde am GLG Werner Forßmann Klinikum ein zweiter Standort unserer Klinik eingerichtet. Als Krankenhaus der Schwerpunktversorgung bietet das Forßmann Klinikum wichtige medizintechnische Voraussetzungen insbesondere für die Diagnostik und Behandlung beim Schlaganfall – so z.B. die unverzichtbare Bildgebung durch Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT). Dazu kommen weitere kooperierende Medizindisziplinen im Haus, das Labor und auch die Servicebereiche. Unter Nutzung dieser Rahmenbedingungen wurde zunächst die Schlaganfallspezialstation Stroke Unit am Standort des Klinikums etabliert. Aber auch zur Abklärung und Behandlung weiterer neurologischer Erkrankungen werden regelmäßig Fachärzte anderer Disziplinen herangezogen – Radiologen, Laborärzte, Intensivmediziner, Internisten, Neurochirurgen, Hals-Nasen-Ohren- und Augenärzte, um nur einige zu nennen. In Akutfällen ist das oft zeitkritisch. Daher ist auch hier die Behandlungsqualität an einem Standort mit vielen somatischen Disziplinen grundsätzlich vorteilhaft. Weitere Gründe für die Zusammenführung ergaben sich durch Vorgaben der laufenden Krankenhausreform. Wir verbinden die notwendige Anpassung an die Reformvorgaben mit einer gleichzeitigen Verbesserung unserer Strukturen und Gesundheitsangebote insgesamt. Seit Mitte Juni ist die Neurologie komplett am Standort des GLG Werner Forßmann Klinikums zusammengeführt und damit auch das gesamte Neurologie-Team hier vereint.  Wobei die Klinik für Neurologie nach wie vor zum GLG Martin Gropius Krankenhaus gehört, was für die Patienten ohne Bedeutung ist.

Was verbindet die Neurologie am neuen Standort weiterhin mit dem GLG Martin Gropius Krankenhaus?

Dr. Albert Grüger: Die enge Zusammenarbeit mit Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des GLG Martin Gropius Krankenhauses bleibt unverändert bestehen. Sie lässt sich auch auf die geringe Entfernung von wenigen Kilometern gut bewerkstelligen. Das GLG Martin Gropius Krankenhaus als Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Forensische Psychiatrie und Neurologie hat erst im vergangenen Jahr das Zentrum für psychische Gesundheit gegründet. Dabei wird insbesondere die Psychosomatik weiter ausgebaut, die Nachfrage steigt, sodass für diese Gesundheitsangebote mehr Raum benötigt wird. Die Verlegung der Neurologie schafft also auch einen Platzvorteil für die Fachrichtungen, die weiterhin am Standort des GLG Martin Gropius Krankenhauses zu finden sind.

Die Alzheimer-Antikörpertherapie ist nicht das einzige medizinische Novum in Ihrer Klinik. Worüber können Sie außerdem berichten?

Dr. Albert Grüger: Das ist richtig. Wir haben gerade ein neues Schlaganfall-Akutmedikament zur Auflösung von Blutgerinnseln im Gehirn eingeführt. Es ist etwas leichter anzuwenden und besser wirksam als das bisherige. PD Dr. Juliane Herm, die leitende Oberärztin der Klinik, hat bei einem Medizinischen Dienstag im November 2024 und zum Tag der offenen Tür am GLG Werner Forßmann Klinikum im Juli die Öffentlichkeit in entsprechenden Vorträgen ausführlich über Neues in der Schlaganfalltherapie informiert. Auch bei den Auto-Immunkrankheiten, vor allem der Multiplen Sklerose, der Myasthenie und bestimmten Formen der Polyneuropathie wurden neue Medikamente zugelassen, mit weniger Nebenwirkungen und besserer Wirksamkeit als es bei den bislang verwendeten Präparaten der Fall war. Weiterhin konnte eine erste Patientin von einer seit Anfang des Jahres zugelassenen Gentherapie bei ALS profitieren. All diese Neuerungen lassen sich optimal in Zusammenarbeit mit Ärzten anderer Fachrichtungen und in enger Absprache innerhalb der Klinik umsetzen – was durch die Zusammenlegung der Neurologie am Standort des Forßmann Klinikums nun noch besser gewährleistet ist. Auch die Zusammenarbeit mit der interventionellen Neuroradiologie wurde nochmals intensiviert.

Wie ist die Neurologie jetzt insgesamt aufgestellt?

Dr. Albert Grüger: Zur Klinik für Neurologie gehören mehrere Stationen, Ambulanzen (Ermächtigungsambulanz und Spezialambulanz), eine Tagesklinik und Funktionsabteilungen. Die Klinik ist als Multiple Sklerose Zentrum und als Zentrum für neuromuskuläre Erkrankungen zertifiziert. Einer ihrer Kernbereiche ist die Stroke Unit. Sie bleibt weiterhin die Station N1 an dem bekannten Ort. Die Stationen N2 und N3 sind zusammengezogen auf die ehemalige Station 3 des GLG Werner Forßmann Klinikums und bilden dort weiterhin die Station 3.  Die Tagesklinik und die Ambulanzen befinden sich im Bereich ehemaliger Räumlichkeiten der Stroke Unit bzw. der Schmerztherapie.

Welche Vorteile ergeben sich durch die Zusammenführung unterm Strich für Patienten und Beschäftigte?

Dr. Albert Grüger: Zunächst einmal lassen sich Wege und Zeiten verkürzen. Beim Schlaganfall zum Beispiel kann die Akutbehandlung und die Nachsorge nun auf einer Ebene erfolgen. Es sind keine Verlegungen von Haus zu Haus mehr nötig. Die Patienten behalten durchgehend ihre Bezugspersonen, und das Neurologie-Team ist komplett an einem Ort vereint – so können auch Synergien zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit ihren unterschiedlichen Professionen einfacher entstehen. Wir sind ja ein sehr multiprofessionell aufgestelltes großes Klinikteam mit einem für jeden Patienten individuell abzustimmenden und zu koordinierenden Behandlungsplan.

Welche Folgen hat die Zusammenführung der Neurologie für das GLG Werner Forßmann Klinikum?

Dr. Albert Grüger: Das GLG Werner Forßmann Klinikum hat die Gelegenheit genutzt, um sich selbst umzustrukturieren. Durch interne Umzüge, bei denen man vor allem inhaltlich verbundene Abteilungen zusammengeführt hat, konnten Abläufe optimiert werden. Medizinische Fortschritte in vielen Fächern – Chirurgie, Onkologie, Kardiologie – haben dazu geführt, dass nicht nur in der Neurologie immer mehr Patienten ambulant behandelt werden können. Der Trend zur Ambulantisierung wird sich weiter verstärken. Die Krankenhäuser arbeiten dabei eng zusammen und haben auch bei der Zusammenführung der Neurologie und den damit verbundenen Umzügen gut kooperiert – wofür ich mich im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen und somit des gesamten Neurologieteams noch einmal bei beiden Krankenhausleitungen bedanken möchte. Die gute Abstimmung war Voraussetzung dafür, dass die Verlegung der Abteilungen reibungslos vollzogen werden konnte – bei durchgehend laufendem Klinikbetrieb! – und wir nun mit einer kompletten Klinik für Neurologie in einem aufgeschlossenen interdisziplinären Umfeld neuen medizinischen Möglichkeiten entgegengehen können.

Von: GLG Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH
Tags: GesundheitGLG

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