Eberswalde: Jeder Mensch kann in eine Situation geraten, in der er Beistand benötigt – ganz besonders, wenn jemand schwer erkrankt ist oder nach einem Unfall mit bleibenden Folgen. Die Krankenhausseelsorge bietet den Betroffenen Begleitung, Zuspruch, Trost. Seit Anfang März gibt es im GLG Werner Forßmann Klinikum in Eberswalde eine neue Krankenhausseelsorgerin: Friederike Feldmann, zugleich Pfarrerin an der Maria Magdalenen Kirche im Zentrum der Stadt. Zu Beginn des Jahres ist die junge Frau mit ihrem Mann von Berlin in die Barnimer Kreisstadt gezogen. Im Klinikum löst sie Pfarrer Andreas Reich in seiner Verantwortung ab, der hier viele Jahre als Seelsorger tätig war und in den Ruhestand getreten ist.
Eine Patientin auf der Palliativstation hat als erste nach ihr verlangt. „Keine Christin, wie sie von sich sagte, aber sie suchte jemanden, der ihr zuhören kann“, berichtet Friederike Feldmann. „Eine ältere unheilbar erkrankte Dame. Wir haben sehr ausführlich miteinander gesprochen. Ich hatte den Eindruck, es hat ihr gut getan. Und auch für mich selbst ist es immer wieder berührend und bereichernd, Menschen so nahe sein zu dürfen.“ Eine andere Patientin hatte große Angst vor einer Operation und brauchte jemanden, der in dieser Situation einfach für sie da ist. „Dabei kommt es nicht darauf an, welcher Religion Menschen angehören oder ob sie überhaupt an eine Konfession gebunden sind“, so die Pfarrerin. „Grundsätzlich jede Patientin, jeder Patient kann die Seelsorge in Anspruch nehmen.“ Und auch für Angehörige von Patienten sowie für Beschäftigte des Krankenhauses ist die Seelsorgerin da.
Auf welche Erfahrungen kann die junge Frau zurückblicken, die gerade ihren 30sten Geburtstag gefeiert hat: insbesondere natürlich ein Theologiestudium, während welchem sie im Königin Elisabeth Krankenhaus Herzberge in Berlin auch Eindrücke von der Hospizarbeit gewinnen konnte. Zur beruflichen Orientierung nach dem Abitur hatte sie zuvor ein Freiwilliges Soziales Jahr in Großbritannien absolviert, wo sie mit Jugendlichen, Obdachlosen und auch in einem Altenheim gearbeitet hat. Zur Entscheidung, Pfarrerin zu werden, trug nicht zuletzt ein wichtiges persönliches Erlebnis im jungen Erwachsenenalter impulsgebend bei. Zudem kommt sie aus einem christlichen Elternhaus, ihr Großvater war schon Pfarrer in der DDR. Und nicht zuletzt ist sie verwandtschaftlich von zahlreichen Menschen umgeben, die in medizinischen Berufen arbeiten, was ebenfalls zu ihrer Entscheidung für die Arbeit im Krankenhaus passt – die Mutter Krankenschwester, der Vater Arzt, die Schwester, die Cousine, der Cousin, der Onkel sind in Arztpraxen und Kliniken beschäftigt. Auch das Thema ihrer Examensarbeit bezog sich schon auf einen wichtigen Bereich ihrer gewählten Aufgabe: „Sterbebegleitung im Kontext mehrheitskultureller Religionslosigkeit“.
Tatsächlich versteht sich die Mehrheit der Brandenburger als religionslos. „Das bedeutet nicht, dass Menschen in kritischen Situationen nicht Halt benötigen oder spirituelle Bedürfnisse haben“, sagt Friederike Feldmann. Sie möchte in den Gesprächen keine Lösungen vorgeben, sondern beim Finden eines gangbaren Weges helfen. „Oft fehlen Angehörige, jemand der sich Zeit nimmt“, so ihr Erleben. „Ärzte und Pflegekräfte können das in dem Umfang nicht leisten – wenn Patienten einfach jemanden an ihrer Seite haben möchten.“
Seelsorge trägt so zur ganzheitlichen Heilung von Menschen bei, bietet seelische, emotionale und geistliche Unterstützung in Krisensituationen, bei Krankheit oder am Lebensende. Sie ist jedoch nicht als medizinische oder psychotherapeutische Behandlung zu verstehen, sondern als komplementäre Maßnahme, die darauf abzielt, das Wohlbefinden zu fördern und Hoffnung zu stärken.
„Insbesondere der Gedanke an den Tod wird heute durch unbegrenzte Angebote der Unterhaltung und Beschäftigung vielfach lebenslang aus dem Bewusstsein verdrängt“, sagt Friederike Feldmann. „Er gehört aber zum Leben dazu, ist der natürliche Abschluss eines immer ganz und gar individuellen Weges. Dessen Betrachtung kann dabei helfen, das Gelebte einzuordnen und zu akzeptieren. Auch wurden verstorbene Verwandte früher üblicherweise noch zu Hause aufgebahrt. Heute wird der Tod vielfach nicht nur gedanklich, sondern auch rein praktisch so weit wie möglich aus dem persönlichen Umfeld ausgelagert.“
Ein Gremium, das sich intensiv und tiefgreifend mit Entscheidungen an der Grenze von Leben und Tod befasst, ist das Ethikkomitee des Krankenhauses. In dessen Arbeit wird die Pfarrerin künftig mit eingebunden sein. Insbesondere von der Leiterin des Ethikkomitees, Viola Franke, fühlt sie sich herzlich angenommen. In den Klinikalltag integriert wurde sie auch schon vom Team der Palliativstation. Sie sagt: „Ich konnte an Teambesprechungen teilnehmen, in denen mir sofort das Gefühl vermittelt wurde, unter sehr guten, freundlichen, kompetenten Kolleginnen und Kollegen zu sein.“
„Wir freuen uns sehr, dass wir die Krankenhausseelsorge in unserem Haus wieder besetzen konnten“, betont auch Marita Schönemann, die Verwaltungsdirektorin des Klinikums. „Gerade in Zeiten von Krankheit, Unsicherheit und Krisen ist es wichtig, dass Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen eine verlässliche Ansprechpartnerin für Gespräche, Trost und Orientierung haben. Seelsorge ist ein wertvoller Bestandteil unserer ganzheitlichen Versorgung und eine wichtige Unterstützung auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“
Und wie sind Friederike Feldmanns erste Eindrücke von Eberswalde? „Sehr positiv, sehr grün, viel Natur“, sagt sie. „Für mich eine Rückkehr aus der Großstadt. Ich bin in Neuruppin geboren, in der Ost-Prignitz aufgewachsen, habe in London und Berlin, Biarritz und Oslo gelebt und fühle mich nun wieder wie zu Hause.“
Da sie je zur Hälfte in der Krankenhausseelsorge und in der Kirchengemeinde arbeitet, hat sie auch einige konkrete Ziele für die Gemeinwesenarbeit mitgebracht. Sie möchte dabei insbesondere Studentinnen und Studenten ansprechen und Gemeindeangebote für junge Erwachsene schaffen. Um dabei selbst gesund zu bleiben und die nötige Kraft zu haben, besucht sie regelmäßig das Fitness-Studio und läuft gern größere Strecken bis hin zum Halbmarathon, weshalb sie sich auch schon auf den Eberswalder Stadtlauf im September freut. Zu ihren zahlreichen Aufgaben gehören nicht zuletzt Predigten in Gottesdiensten vor der Eberswalder Kirchengemeinde. Wer sie dabei erleben möchte oder Lust hat, einfach einmal daran teilzunehmen, vorbeizuschauen, ins Gespräch zu kommen, ist herzlich eingeladen.
















