Worum geht es?
Die Gemeindevertretung hat in der Sitzung am 07.07.2025 die Aufstellung eines Bebauungsplanes am Töppersberg III beschlossen. Die bisher noch unbebaute Fläche des Töppersberg soll nun also bebaut werden. Noch ist dort eine Wiese und eine der wenigen Möglichkeiten zum Rodeln in Wandlitz.
Planungsziel des Bebauungsplanes ist die Schaffung von ca. 500 qm bis 800 qm großen Grundstücken für die Errichtung von zweigeschossigen Einzel- und Doppelhäusern. Alternativ soll dort altersgerechtes Wohnen in ähnlicher Bauweise umgesetzt werden. Außerdem soll eine Gemeinbedarfsfläche gesichert werden, die angeblich geeignet sei für den Neubau der Wandlitzer Feuerwehr.

Ist die Planung mit dem Gemeindeentwicklungskonzept vereinbar?
Um die künftige Entwicklung der Gemeinde abzustecken, hat sich Wandlitz ein Konzept gegeben, das sogenannte Wandlitzer Entwicklungskonzept (WEK). Dieses Konzept wurde seit Herbst 2022 erarbeitet und im Mai 2024 von der Gemeindevertretung beschlossen.
Das 3. Entwicklungsziel beschäftigt sich dem Thema Wohnen. Es lautet:
„3. WIR wollen Nachverdichtung verträglich, bedarfsorientiert und umweltschonend gestalten, Leerstandsaktivierung priorisieren und Wohnangebote für verschiedene Lebenssituationen entwickeln, dabei den sozialen Wohnungsbau und die soziale Durchmischung fördern.“[1]
Die Gemeinde hat damit festgelegt, zunächst die Baulücken in bereits bebauten Gebieten zu schließen. Dies bezeichnet man auch als Vorrang der Innenentwicklung. Die Wiese am Töppersberg grenzt jedoch an eine Landwirtschaftsfläche. Es handelt sich somit um eine geplante Bebauung im Außenbereich. Diese geplante Bebauung widerspricht somit dem Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ aus dem Wandlitzer Entwicklungskonzept, obwohl man dort informiert wird, dass Wandlitz das größte Nachverdichtungspotential aller 55 untersuchten Städte und Gemeinde in Brandenburg hat! [2] In der Arbeitshilfe Bauleitplanung Brandenburg kann man unter der Rubrik Planungsgrundsätze lesen: „Auf den Vorrang der Innenentwicklung wird ausdrücklich hingewiesen.“[3]
Wandlitz hat das größte Nachverdichtungspotenzial in Brandenburg!
Die Gemeinde und auch der Investor hat noch mehr als genug Flächen für sinnvolle Nachverdichtung im Innenbereich. Bevor diese Flächen nicht ausgenutzt sind, wenn überhaupt, darf es keine weitere Zersiedelung der Naturräume geben!
Petition: „Rettet den Langen Grund – keine weitere Bebauung am Töppersberg!“
900 Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Wandlitz sahen dies auch so und unterschrieben die Petition: „Rettet den Langen Grund – keine weitere Bebauung am Töppersberg!“ Bis heute haben die Petenten auf ihre Forderung, dass die Wiese eine Wiese bleibt, keine Antwort der Gemeinde erhalten.[4]

Töppersberg ist ein wertvoller Naturraum
Eine Wiese ist nicht nur Naherholungsraum für den Menschen, sondert bietet auch einer versteckten Vielfalt Lebensraum, den Insekten. Forscher fanden heraus, dass in mehrjährigen Gräsern über 255 verschiedene Arten von Insekten leben. [5]Durch den Erhalt der Wiese würden wir also auch den Lebensraum von vielen Insekten retten.
Versiegelte Flächen speichern Wärme über Stunden, geben die Wärme nachts ab und verhindern die natürliche Kühlung durch Verdunstung. Wiesen dagegen kühlen durch ihre niedrige Vegetation deutlich stärker aus. Selbst im Vergleich zu Wäldern produzieren offene Wiesen und Felder effizienter Kaltluft. Wiesen werden daher als Kaltluftentstehungsgebiet bezeichnet.
Das Landesumweltamt erstellt für alle größeren Seen Wasser-Steckbriefe. Der ökologische Zustand des Wandlitzer Sees wird als „mäßig“ eingeschätzt, der chemische Zustand erhält insgesamt die Note „nicht gut“. [6]Es besteht also dringender Handlungsbedarf um die Qualität des Sees zu verbessern. Immer mehr Versiegelung trägt zu einer Verschlechterung der Wasserqualität bei. Durch die Hangneigung des Geländes wird eine natürliche Versickerung kaum möglich sein. Die Versickerung wird über Rigolen (Kunststoffelemente werden in den Boden eingelassen) oder über ein Regenrückhaltebecken (Abdichtung durch Beton oder Kunststoff) erfolgen müssen.
In allen Sitzungen zum Töppersberg wird immer wieder beteuert, dass die Allee am Langen Grund auf jeden Fall erhalten bleibt. Nun ist jedoch der Bau einer neuen Feuerwehr für den Ortsteil Wandlitz dort vorgesehen. Wird der Bau der Feuerwehr und später die Ein- und Ausfahrt der Feuerfahrzeuge durch die im engen Abstand stehenden Bäume möglich sein? Können tatsächlich alle Alleenbäume stehen bleiben?
Der Töppersberg – Wohnraum für Einheimische?
Es wird immer wieder behauptet, dass die Vergabe der Grundstücke an die ortsansässige Bevölkerung erfolgen soll. Ein Investor kann Baugrundstücke verkaufen oder Wohnungen vermieten, an wen er will. Gemäß Wandlitzer Entwicklungskonzept soll bezahlbarer Wohnraum in der Gemeinde entstehen. Sind denn die Mieten in den bisher entstandenen Neubauten in Wandlitz günstig?
Damit die Gemeinde einen Einfluss darauf hat, dass an die Wandlitzer Bevölkerung die Baugrundstücke zu einem bezahlbaren Preis veräußert werden, muss die Gemeinde – so wie zahlreiche andere Gemeinden in Deutschland – eine Richtlinie verabschieden. Bisher hat die Gemeinde keine Richtlinie zum Einheimischenmodell verabschiedet. Da es noch keine Richtlinie gibt, kann die Gemeinde derzeit gar keinen Einfluss darauf nehmen, an wen der Eigentümer und zu welchem Preis der Eigentümer die Grundstücke verkauft.
Es ist für Wandlitz also wichtig, dass die Wiese eine Wiese bleibt. Der Aufstellungsbeschluss muss also wieder aufgehoben werden. Die Fraktionsgemeinschaft SPD/Grüne und Mitglieder der UWG haben einen entsprechenden Antrag an die Gemeindevertretung gerichtet.
Dörthe Hartrumpf
[1] Seite 90 WEK, https://daten2.verwaltungsportal.de/dateien/seitengenerator/49c3db09946085182c78f9ba53ec2d8416773/24-07-04_WEK_Bericht.pdf
[2] Seite 32 WEK; https://daten2.verwaltungsportal.de/dateien/seitengenerator/49c3db09946085182c78f9ba53ec2d8416773/24-07-04_WEK_Bericht.pdf
[3] Seite 471, Kapitel D0 3/6, Arbeitshilfe Bebauungsplanung https://mil.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/221216_Arbeitshilfe_Gesamt_Doppelseitig_2022.4272542.pdf
[4] Vorlage – MV/2025-0040 https://ris.wandlitz.de/bi/___tmp/tmp/45081036/ylfZmOyQ9meAvddkoG7OkAfJbxQlCXrISQQGuPkZ/VbeIeDAe/65-Anlagen/02/Changeorg-Resultspage.pdf
[5] Universität Göttingen: Presseinformation: Verborgene Insekten-Vielfalt in Grashalmen durch Mähen bedroht. https://www.uni-goettingen.de/de/54088.html?id=8088
[6] LfU: WRRL-Steckbrief für den Oberflächenwasserkörper Wandlitzer See. https://mleuv-daten.brandenburg.de/w/Steckbriefe/WRRL2021/LWBODY/DELW_DEBB80001581921.pdf







