Bernau: Vor fast 30 Jahren war Ann-Christin Lehmann selbst ein „kleiner Strolch“ und ist am Klettergerüst, im Buddelkasten oder beim Basteln über sich hinausgewachsen. Heute stellt sie sich als Leiterin der Kita „Kleine Strolche“ ganz anderen Herausforderungen.
„Eigentlich war es schon immer mein Traum, irgendwann einmal die Kita hier im Ort zu leiten, in der ich selbst Kind war“, sagt sie. „Heute muss ich mich manchmal kneifen, weil es sich noch ein bisschen unwirklich anfühlt.“ Seit September 2024 führt sie die einzige Kita im Bernauer Ortsteil Ladeburg.
Bereits in den 1940er Jahren gab es in Ladeburg Formen organisierter Kinderbetreuung. Mitte der 1950er Jahre zog der Kindergarten an die Schmetzdorfer Straße am Dorfteich. Seit 1991 trägt die Einrichtung den Namen „Kleine Strolche“ und 2007 folgte der Umzug an den heutigen Standort in der Bernauer Straße.
Im kommenden Jahr wird hier also das 20-jährige Bestehen gefeiert. 2031 blickt die Kita dann auf vier Jahrzehnte unter ihrem heutigen Namen zurück. Für die Pädagogin sind diese Daten mehr als Chronik. Sie stehen für gewachsene Strukturen, für Generationen von Familien und für eine Einrichtung, die fest im Ort verankert ist.

Miteinander gewachsen
Fünf Gruppen, 54 Kinder, neun pädagogische Fachkräfte sowie Hausmeister und Küchenkraft gehören dazu: Die „Kleinen Strolche“ sind überschaubar und genau darin liegt ihre Stärke. „Man sieht sich jeden Tag, kennt alle Kinder und alle Eltern. Das schafft Vertrauen.“
Mit dem Leitungswechsel vor anderthalb Jahren hat sich auch das Team neu formiert. Für Ann-Christin Lehmann war das eine große Chance: nicht nur eine Einrichtung zu führen, sondern gemeinsam als Team neu zusammenzuwachsen. Regelmäßige Absprachen, Transparenz in Entscheidungen und eine offene Gesprächskultur prägen seither den Arbeitsalltag. Probleme werden angesprochen, Lösungen gemeinsam gefunden. Als ausgebildete Fachkraft arbeitet Ann-Christin Lehmann selbst regelmäßig in den Gruppen mit — nah am pädagogischen Geschehen und nah am Team.
Die fünf Gruppen heißen: Meisen, Amseln, Spechte, Tauben und Eulen. Ein liebevolles Detail und ein erster kleiner Hinweis darauf, was die Kita unter anderem prägt: Naturverbundenheit. Alle Gruppenräume haben direkten Zugang zum großen Garten. Felder, Wiesen und Wälder liegen vor der Tür. Spaziergänge, Waldtage, Naturerfahrungen gehören selbstverständlich dazu. Freies Spiel, Bewegung, Autonomie und Partizipation greifen hier ineinander. Die Kinder bestimmen bei vielen Themen mit, entscheiden über Projekte, wirken bei Alltagsfragen wie Frühstückszeiten oder Speiseplan mit.
Neue Ideen wachsen
Das Kitagebäude ist hell, freundlich und überwiegend ebenerdig. Bald sollen offene Spielbereiche und eine stärkere Durchmischung der Altersgruppen erprobt werden. Wichtig ist Ann-Christin Lehmann dabei Transparenz. „Solche Entscheidungen kommen nicht aus heiterem Himmel“, betont sie. Eltern und Kolleginnen sind frühzeitig eingebunden und begleiten die Entwicklungen konstruktiv. „Wir probieren aus und passen an, wenn es nötig ist.“ Auch hier zeigt sich: Entwicklung ist ein Prozess, der gemeinsam getragen wird.
Der Jahresrhythmus ist geprägt von gemeinschaftlichen Höhepunkten: Sommerfest, Fasching, Ostern, Weihnachten. Das Motto des Sommerfests bestimmen auch wieder die Kinder. Eltern helfen bei Ausflügen, Projekten und Festen. „Unsere Elternarbeit ist intensiv und das ist auch so gewollt“, betont die gebürtige Bernauerin.
Gemeinsam wachsen
Die Kita ist eng im Sozialraum verankert. Vorschulkinder besuchen regelmäßig die Grundschule am Kirschgarten und die Georg‑Rollenhagen‑Grundschule. Ebenso selbstverständlich kommen Lehrkräfte nach Ladeburg, um die Kinder auf den Übergang in die Schule vorzubereiten. Diese wechselseitige Nähe schafft Sicherheit für die Kinder, aber auch für die Familien, die spüren, dass ihr Nachwuchs nicht abrupt in eine neue Welt wechselt, sondern Schritt für Schritt begleitet wird.
Auch darüber hinaus ist das Netzwerk breit gespannt. Feuerwehr, Polizei, Kreisverkehrswacht, Immanuel Klinikum, Schwimmkurse — die Liste der Kooperationspartner zieht sich einmal quer durch Bernau. Gleichzeitig ist der jungen Leiterin wichtig, dass die Kita nicht nur stadtweit gut vernetzt ist, sondern auch im Ortsteil selbst fest verankert bleibt. Schließlich teilt sie sich mit dem Ortsbeirat ein Gebäude — eine räumliche Nähe, die auch eine soziale ist.
Aufgewachsen und reingewachsen Ann-Christin Lehmanns eigener Weg begann mit einem Praktikum in der neunten Klasse — damals schon hier, bei den „Kleinen Strolchen“. Es folgten ein Freiwilliges Soziales Jahr, die Ausbildung zur Erzieherin, später die stellvertretende Leitung der Kita „Friedenstaler Spatzen“ und die Qualifizierung zur Kitaleitung. Schritt für Schritt wuchs sie in Verantwortung hinein, „Ich brauche Herausforderungen, um zu wachsen“, sagt sie. Und genau diese Mischung aus Neugier, Mut und Bodenhaftung führte sie schließlich zurück an den Ort, an dem alles begann — als derzeit jüngste Kita-Leitung Bernaus.















