Der Konjunkturklimaindex (KKI) ist in Ostbrandenburg auf 76 Punkte gefallen. Ähnliche Werte wurden bisher nur bei sehr schweren Konjunkturkrisen wie während der Corona-Zeit gemessen. Zum Vergleich: Die Wachstumsschwelle liegt bei 100 Punkten. Unter dem Strich hat die regionale Wirtschaft, statt zu wachsen, seit Jahresbeginn 2026 weitere 18 KKI-Punkte verloren.
Die Daten zeigen, dass sich die regionale Wirtschaft nicht mehr in einer kurzfristigen Schwächephase, sondern in einer anhaltenden strukturellen Belastungssituation befindet und der erhoffte Konjunkturaufschwung ausfällt. Das zeigt sich insbesondere in den pessimistischen Geschäftserwartungen.
„Bislang fehlt es an wirtschaftspolitischen Impulsen sowie einer verlässlichen politischen Zielsetzung, um Investitionen und Wachstum wieder zu stärken. Trotz zahlreicher Reformankündigungen nehmen viele Unternehmen bislang keine spürbaren Entlastungen wahr“, erklärt Monique Zweig, Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostbrandenburg. „Wobei die Unternehmen mit den Energie- und Rohstoffkosten, den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und den Arbeitskosten die nötigen Stellschrauben für einen Wirtschaftsaufschwung klar benennen.“
Unter der strukturellen Belastung und den pessimistischen Erwartungen leiden alle Branchen und Betriebsgrößen – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.
Besonders schwach entwickelt sich der Handel mit einem KKI von 58 Punkten sowie das Verkehrs- und Logistikgewerbe mit nur noch 53 Punkten. Beide Branchen leiden massiv unter Konsumzurückhaltung und Kostensteigerungen. Auch die Industrie verbleibt mit 72 KKI-Punkten deutlich unter der Wachstumsschwelle. Das Baugewerbe hellt sich zwar leicht auf und erreicht 84 Punkte, bleibt aber ebenfalls deutlich unter früheren Niveaus. Die Dienstleistungswirtschaft verliert ihre bisherige stabilisierende Rolle und fällt von 105 auf 79 Punkte zurück.
Als Hauptbelastungen werden über alle Branchen hinweg die hohe Energie- und Rohstoffpreise (79 %), wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (73 %) sowie hohe Arbeitskosten (59 %) genannt. Insgesamt agieren die Unternehmen defensiv und setzten eher auf Anpassung als auf Wachstum.
Konkret bezeichnen 25,7 Prozent aller befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 50,8 Prozent als befriedigend und 23,5 Prozent als schlecht. Die Erwartungen sind deutlich negativer als die Lage. Hier rechnen in den kommenden Monaten nur 4,8 Prozent mit besseren Geschäften, 46,9 Prozent mit gleichbleibenden und 48,4 Prozent mit schlechteren Geschäften.
Die Investitionsabsichten stagnieren gegenüber dem Jahresbeginn 2026. Das Niveau bleibt niedrig – nur die Hälfte aller Unternehmen will überhaupt investieren. Davon wollen 18,3 Prozent mehr investieren (Beginn 2026 – 20,8 %) und 7,9 Prozent ihre Investitionen zurückfahren (Beginn 2026 – 7,5 %).
Beim Personal ist mit einem weiteren Rückgang zu rechnen. Im Ostbrandenburger Durchschnitt planen 31,1 Prozent der Unternehmen mit weniger Beschäftigten.
Die Auswertung nach Branchen
In der Industrie bezeichnet über ein Drittel (35,3 %) der Betriebe seine Geschäftslage als schlecht. Mehr als die Hälfte (53,2 %) erwartet künftig schlechtere Geschäfte. Nur 6,0 Prozent rechnen mit besseren Geschäften.
Positiv ist, dass sich die Auftragseingänge stabilisiert haben. 68 Prozent der Industriebetriebe berichten von gleichbleibenden (56,9 %) oder gestiegenen Auftragseingängen (10,8 %). Und rund zwei Drittel der Industriebetriebe verzeichnen höhere (21,0 %) oder gleichbleibende (44,4%) Exporte.
Im Baugewerbe hat sich die Geschäftslage leicht verbessert. Die Mehrheit der Betriebe (55,6 %) berichtet von einer befriedigenden Lage und ein Viertel (26,9 %) von guten Geschäften. Wegen gestiegener Energie- und Rohstoffpreise und Arbeitskosten halten sich die Erwartungen jedoch in Grenzen. So rechnen 41,7 Prozent der Baubetriebe künftig mit schlechteren Geschäften.
Im Handel hat sich die Stimmung eingetrübt. Nur 7,4 Prozent der Händler bezeichnen ihre Geschäftslage als gut (Jahresbeginn 2026 – 19,1 %), 38,9 Prozent beurteilen ihre Geschäftslage als schlecht (Jahresbeginn 2026 – 25,1 %). Das betrifft sowohl Großhändler als auch den Einzelhandel. Wobei die Großhändler mit 95 Prozent die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise als ihr Top-Risiko angeben, die Einzelhändler nennen mit 76,9 Prozent die Wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als größte Belastung.
Bei den Dienstleistern bricht die Konjunktur ein. Der Konjunkturklimaindex für diese Branche geht auf 79 Zähler zurück, das sind 26 KKI-Punkte weniger als noch zu Jahresbeginn 2026.
Dies ist umso auffälliger, weil sich die Dienstleistungsbranche bisher immer sehr robust gezeigt hat. Knapp die Hälfte der Dienstleister (47,4 %) rechnet mit ungünstigeren Geschäften, nur noch 4,0 Prozent erwarten bessere Geschäfte. Die Investitionsbereitschaft geht leicht zurück auf 51,3 Prozent, wobei auch das das Investitionsvolumen insgesamt rückläufig ist. Die Branche rechnet zudem mit Personallabbau. Ihr Top-Risiko sehen 75,3 Prozent der befragten Dienstleister in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, gefolgt von den Energie- und Rohstoffpreisen mit 75,0 Prozent.
Das Verkehrsgewerbe hat sich auf geringem Niveau stabilisiert. So bezeichnen 12,2 Prozent der Verkehrs- und Logistikunternehmen ihre Geschäftslage als gut und 60,9 Prozent noch als befriedigend. Allerdings erwarten zwei von drei Unternehmen der Verkehrsbranche (67,0 %) eine ungünstigere Geschäftslage, während keines mit einer Verbesserung rechnet. Ein Grund sind die gestiegenen Kraftstoffpreise, die 90,4 Prozent der Verkehrsunternehmen als Wirtschaftsrisiko nennen. Vor diesem Hintergrund ist auch die Investitionsbereitschaft gesunken –auf jetzt noch 41,2 Prozent. Diejenigen Verkehrsunternehmen, die investieren, rechnen allerdings mit steigenden Ausgaben.
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Die IHK Ostbrandenburg ist die größte Interessenvertretung der Wirtschaft zwischen Schwedt und Eisenhüttenstadt, zwischen Berlin und der Oder.











