Bernau: Sie ist viele Jahrhunderte alt – die sorbische Kunst, Ostereier aufwändig zu verzieren. „Dem Volksglauben nach sollten die kunstvollen Muster auf den Eiern magische Effekte auf die Beschenkten haben“, sagt Helena Steingart vom Verein Bildung – Begegnung – Zeitgeschehen Bernau (bbz). So wurde Kindern nach der Geburt ein Ei in die Wiege gelegt – mit Blumen verziert für Wohlergehen, mit Kiefernzweigen für Gesundheit oder mit Wolfszähnen zum Schutz.
Am 30. und 31. März hatten sich Bernauerinnen und Bernauer zwischen 10 und 72 Jahren im Kantorhaus eingefunden, um sich von Helena und Alexander Steingart vom bbz e.V. in der sorbischen Wachstechnik des Ostereier-Verzierens unterweisen zu lassen. Der lebendige, praxisorientierte Workshop des Museums Bernau zeigte jedenfalls einen magischen Einfluss auf die eifrigen Eier-Gestalter. Nach einer Einführung in die Technik und die Symbolik der Motive wurden die Teilnehmer selbst aktiv und durften filigrane Linien, geometrische Ornamente und eigene Muster auf ihren Eiern verewigen.

„Hier können wir unsere ganze Kreativität ausleben, müssen aber gleichzeitig sehr akkurat arbeiten“, meinte Henrike, die konzentriert, talentiert und mit Fingerspitzengefühl bei der Sache war. Gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrer Mutter hatte sich die 17-Jährige für die Batiktechnik entschieden. Dabei wird mit Wachs ein Muster auf die Oberfläche aufgetragen. Anschließend werden die zerbrechlichen weißen Eier in eine Farblösung getaucht. Nach dem Färben wird das Wachs vorsichtig entfernt, sodass das zuvor aufgetupfte Muster erkennbar wird.
„Für mich ist der Workshop wie Meditation“, sagt Dörte. Während Angela gekommen ist, um ihren sorbischen Wurzeln nachzuspüren. „Mein Opa stammt aus Weißwasser. Daher kenne ich die wunderschönen sorbischen Ostereier bereits seit meiner Kindheit. Nun wollte ich es auch endlich einmal selbst versuchen“, erklärt die Rentnerin, die sichtlich Freude an ihrem schön gestalteten Ei hatte.
„Wir bekommen seit Jahren positives Feedback für die Ostereier-Workshops, die stets komplett ausgebucht sind“, berichtet Museumsmitarbeiter René Puttlitz, der fürs Organisieren der inzwischen zur Tradition gewordenen vorösterlichen Kunstaktion zuständig ist.


















