Das Häschereisen
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Im Museum im Henkerhaus findet sich im Keller ein besonderes Stück aus der Geschichte der Rechtspflege: ein Häschereisen, vermutlich aus dem 16. Jahrhundert – benannt nach der Person, die Leute einfängt: dem Häscher.
Auf den ersten Blick wirkt es unscheinbar. Ein offener Metallhalbkreis mit einem V‑förmigen Schnappeinlass. Doch seine Funktion war alles andere als harmlos. Wer einmal in diese Vorrichtung geriet, konnte sich nicht mehr rückwärts befreien. Im Inneren sitzen Dornen und Widerhaken, die schätzungsweise im 19. Jahrhundert ergänzt wurden, um es noch grausamer wirken zu lassen.
Das Häschereisen wurde in der frühen Neuzeit in vielen Teilen Europas eingesetzt. Es diente dazu, fliehende oder sich wehrende Personen festzusetzen, Gefangene zu transportieren oder sie während eines Verhörs kurzfristig zu fixieren. Die Anwendung führte häufig zu schmerzhaften Verletzungen – tödlich war das Gerät jedoch in der Regel nicht. Es war ein Werkzeug, das Gehorsam erzwingen sollte.
Auch für junge Besucherinnen und Besucher des Museums im Henkerhaus ist dieses Objekt oft ein Anlass zum Nachdenken. Tim Richter, der sein Freiwilliges Soziales Jahr in der Pressestelle der Stadt Bernau absolviert, beschreibt seine Eindrücke so: „Mich fasziniert, wie drastisch die Methoden damals waren. Gefangene wurden regelrecht gequält und heute reichen Handschellen, um jemanden festzuhalten.“
So erzählt das Häschereisen nicht nur von vergangenen Strafen, sondern auch davon, wie sehr sich unser Verständnis von Recht, Menschlichkeit und staatlicher Gewalt verändert hat.
Geöffnet ist das Museum im Henkerhaus dienstags bis freitags von 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, samstags, sonntags sowie feiertags von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr.














