Wenn Naturschutz und Gemeinschaft aufeinandertreffen
Am Dienstag, den 11. November 2025, wurde im Waldgebiet von Basdorf etwas Besonderes geschaffen: 18 selbstgebaute Nistkästen fanden ihren Platz in den Bäumen – nicht nur als neues Zuhause für Vögel und Fledermäuse, sondern auch als Symbol für ein einzigartiges Gemeinschaftsprojekt. Kinder der Comenius-Grundschule Oranienburg, Mitglieder der Basdorfer Jagdgemeinschaft, die Freiwillige Feuerwehr Basdorf und der Rotary Club Oranienburg/Hennigsdorf arbeiteten Hand in Hand, um Artenschutz, Umweltbildung und bürgerschaftliches Engagement lebendig werden zu lassen.

Doch wie entstand diese Idee? Wer steckt dahinter? Und was bedeutet sie für die Region? Ein detaillierter Blick auf ein Projekt, das Kontinuität, Qualität und Zuverlässigkeit vereint – und zeigt, wie Naturschutz von der Theorie in die Praxis übertragen wird.
1. Die Idee: Wie alles begann
Die Wurzeln des Projekts: Hege-Gedanke und Jugendförderung
Die Idee zur Nistkasten-Aktion entstand aus dem tief verwurzelten Hege-Gedanken der Jägerschaft. „Wir wollten den aktiven Naturschutz mit der Förderung von Jugend und Handwerk in der Region verbinden“, erklärt Ringo Becker, Jagdpächter der Basdorfer Jagdgemeinschaft. „Unser Ziel war es, ein Gemeinschaftsprojekt zu schaffen, das über die Jagd hinausgeht.“

Die Kooperation zwischen der Jagdgemeinschaft, der Comenius-Grundschule und der Feuerwehr ist zwar neu in dieser Form, doch sie soll kein einmaliges Ereignis bleiben. „Wir hoffen, dieses Engagement in den kommenden Jahren fortzusetzen und zu vertiefen“, so Becker.
Warum 18 Nistkästen? Ein Projekt mit System
Die Zahl 18 ist kein Zufall: Sie ergab sich aus dem konkreten Bedarf im Revier und der logistischen Kapazität der Schüler. „18 Kästen bieten genug Wohnraum, um einen messbaren Beitrag zum Artenschutz zu leisten – und waren von den Kindern in der Vorbereitungsphase gut zu bewältigen“, erklärt Becker.
Die Kästen sind speziell auf die Bedürfnisse von Höhlenbrütern und Fledermäusen zugeschnitten, deren natürliche Lebensräume zunehmend schwinden. „Wir erwarten, dass Arten wie Blau- und Kohlmeisen, der Kleiber, der Trauerschnäpper und lokale Fledermauspopulationen von den neuen Quartieren profitieren“, sagt Becker.

2. Die Akteure: Wer macht mit – und warum?
Die AG „Club der magischen Tiere“: Natur erleben und begreifen
Seit mehreren Jahren gibt es an der Comenius-Grundschule Oranienburg die AG „Junge Naturforscher“, die sich selbst den Namen „Club der magischen Tiere“ gegeben hat – inspiriert von der gleichnamigen Kinderbuchreihe. „Jedes Kind trägt hier den Namen eines Tieres, das mit dem gleichen Anfangsbuchstaben wie sein eigener Vorname beginnt“, erklärt Dr. Frank Tietsche, einer der drei Naturtrainer der AG.
Die Kinder der 2. bis 4. Klasse arbeiten hier mit Dr. Karina Schiele, Harald Kossmehl und Dr. Frank Tietsche zusammen – und lernen spielerisch die Natur kennen: durch Expeditionen, Experimente, Basteln und handwerkliche Projekte. „Der Bau der Nistkästen war ein zentraler Bestandteil unseres diesjährigen Programms“, sagt Tietsche. „Die Kinder haben nicht nur gelernt, wie man einen Nistkasten baut, sondern auch, welche Tiere darin leben werden – und warum Artenschutz so wichtig ist.“
Die Basdorfer Jagdgemeinschaft: Naturschutz aus Leidenschaft
Die Basdorfer Jagdgemeinschaft unter der Leitung von Ringo Becker war nicht nur ideeller Träger des Projekts, sondern übernahm auch die finanzielle und fachliche Verantwortung:
- Kostenübernahme für die Bausätze (390 €)
- Bereitstellung des Reviers
- Fachliche Anleitung beim Bau und der Anbringung der Kästen
- Langfristige Betreuung und Wartung der Nistkästen
„Für uns Jäger ist der Artenschutz eine Herzensangelegenheit“, betont Becker. „Mit dieser Aktion zeigen wir, dass Naturschutz aktiv gelebt werden kann – und dass wir unsere Verantwortung ernst nehmen.“

Die Standorte für die Nistkästen wurden sorgfältig ausgewählt:
- Artgerechte Umgebung (Nähe zu Nahrungsquellen, Schutz vor Störungen)
- Sicherheit (keine Äste, die Feinden Zugang ermöglichen)
- Klimatische Bedingungen (Ausrichtung nach Osten oder Südosten)
Die Freiwillige Feuerwehr Basdorf: Sicherheit und Unterstützung
Die Freiwillige Feuerwehr Basdorf war ein unverzichtbarer Partner für die Sicherheit der Kinder. Ihre Feuerwehrleute begleiteten die Gruppen und stellten sicher, dass alles reibungslos und sicher ablief.
Besonders die Anbringung der Fledermauskästen in 4-5 Metern Höhe erforderte Fachwissen und Sicherheit – hier halfen Jäger und Feuerwehrleute Hand in Hand.
Der Rotary Club Oranienburg/Hennigsdorf: Transport und Bildung fördern
Ein entscheidender Faktor für das Gelingen des Projekts war der sichere Transport der Kinder. „Schulen haben oft keine Budgets für solche Zusatzkosten“, erklärt Ronny Schmidt, Präsident des Rotary Clubs Oranienburg/Hennigsdorf. „Wir haben den Bustransfer organisiert und finanziert, damit die Kinder diese wertvolle Erfahrung machen können.“
Der Rotary Club engagiert sich seit Jahren für Natur- und Wasserbildung. Mit dem „Wasserbuch“ – einem Projekt unter der Leitung von Prof. Ebner – vermittelt der Club kindgerecht die Bedeutung von Wasser. „Natur muss für Kinder erlebbar sein“, betont Schmidt. „Mit den Nistkästen und dem Wasserbuch stärken wir die Umweltbildung nachhaltig.“

Nicht zu vergessen: Die Rolle der lokalen Handwerker
Ein entscheidender Baustein des Projekts waren natürlich die Nistkästen, welche von den Kindern selbst zusammengebaut werden konnten. Doch woher kamen die Bausätze? Hier kamen lokale Handwerksbetriebe und engagierte Handwerker ins Spiel: Sie fertigten die Bausätze an und stellten sie der AG zur Verfügung.
3. Der Tag der Aktion: Ein Erlebnis für alle Beteiligten
Vom Empfang bis zum Lagerfeuer
Der 11. November 2025 begann mit einem herzlichen Empfang an der Feuerwehr Basdorf. Von dort aus ging es in einem gemeinsamen Fußmarsch zum Jagdplatz, wo die Kinder von den Jägern und Feuerwehrleuten empfangen wurden.
„Die Kinder waren mit Begeisterung dabei“, erzählt Dr. Frank Tietsche. „Sie haben nicht nur die Kästen angebracht, sondern auch viel über die Tiere gelernt, die dort einziehen werden.“
- 10:00 Uhr: Empfang an der Feuerwehr Basdorf
- 10:15 Uhr: Fußmarsch zum Jagdplatz
- 11:30 Uhr: Anbringung der Nistkästen in Kleingruppen
- 13:00 Uhr: Ausklang am Lagerfeuer mit Stockbrot, Suppe und Austausch
Der Höhepunkt des Projektes war für alle der gemeinsame Waldausflug mit dem Anbringen der Nisthilfen und dem anschließenden fröhlichen Beisammensein am Lagerfeuer.

Sicherheit an erster Stelle
Die Sicherheit der Kinder hatte oberste Priorität:
- Kleine Gruppen, begleitet von Jägern und Feuerwehrleuten
- Strenge Regeln (zusammenbleiben, Weisungen folgen)
- Sichere Standorte für die Anbringung der Kästen
- Kein Besteigen von Bäumen ohne Aufsicht
„Die Kinder waren begeistert – und gleichzeitig gut betreut“, sagt Ringo Becker. „Das war uns besonders wichtig.“
4. Die Bedeutung für die Region: Warum dieses Projekt ein Leuchtturm ist
Artenschutz im Barnim: Ein messbarer Beitrag
Die 18 Nistkästen leisten einen konkreten Beitrag zum Artenschutz im Barnim. „Höhlenbrüter wie Meisen und Fledermäuse finden immer weniger natürliche Nistplätze“, erklärt Becker. „Mit den Kästen schaffen wir neuen Lebensraum – und das direkt vor unserer Haustür.“

Umweltbildung: Kinder als Botschafter für die Natur
Für die Kinder war die Aktion nicht nur ein praktisches Erlebnis, sondern auch eine Lektion in Naturschutz. „Die Kinder haben gelernt, dass Artenschutz kein abstraktes Thema ist, sondern etwas, das man selbst in die Hand nehmen kann“, sagt Dr. Frank Tietsche.
5. Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Langfristige Betreuung der Nistkästen
Die Basdorfer Jagdgemeinschaft übernimmt die langfristige Betreuung der Kästen – doch die Kinder sollen weiterhin eingebunden werden.
„Wir planen, die Schüler bei der jährlichen Reinigung und Kontrolle der Kästen zu beteiligen“, sagt Becker. „So bleibt das Projekt nachhaltig – und die Kinder bleiben mit der Natur verbunden.“
Ausweitung des Projekts: Mehr Schulen, mehr Kästen, mehr Artenschutz
Die Initiatoren hoffen, dass die Aktion Schule macht – im wahrsten Sinne des Wortes. „Wir möchten das Projekt in den kommenden Jahren ausbauen“, so Ringo Becker. „Unser Ziel ist es, weitere Schulen und Gemeinden im Barnim zu gewinnen – damit noch mehr Kinder die Chance haben, Naturschutz aktiv zu erleben.“

6. Fazit: Ein Projekt, das verbindet
Die Nistkasten-Aktion in Basdorf ist mehr als nur ein einmaliges Ereignis. Sie ist ein Beweis dafür, was passiert, wenn Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammenarbeiten, um etwas zu bewegen.
- Für die Kinder war es ein unvergessliches Erlebnis, das ihnen die Natur auf eine neue Weise näherbrachte.
- Für die Jäger war es eine Möglichkeit, ihren Hege-Gedanken in die Tat umzusetzen.
- Für die Feuerwehr war es eine Chance, die Gemeinschaft zu stärken.
- Für den Rotary Club war es ein Beitrag zur Umweltbildung.
- Für die Region ist es ein Leuchtturmprojekt, das zeigt, wie Naturschutz gemeinsam, praktisch und nachhaltig gelingen kann.
„Natur verbindet“ – und dieses Projekt ist der beste Beweis dafür.



























