Der Kreisschülerrat Barnim fordert erneut ein kostenfreies Deutschlandticket für alle Schülerinnen und Schüler im Landkreis. Nachdem erste Bestrebungen mit dem Kreisschulbeirat im Februar gescheitert waren, kommt nun neuer Wind unter den jungen Barnimerinnen und Barnimern auf. Aktuell besteht die Möglichkeit über die Schule einen individuellen Busausweis zu beantragen, der die Bus- oder Bahnlinie von der Schule bis nach Hause abdeckt. Dafür gibt der Landkreis jährlich rund 6,5 Millionen Euro aus. 1 Exkursionsfahrten zu Gedenkstätten, Aktivitäten, Workshops oder Wettbewerben müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Die An- und Abreise für die Tagungen und Veranstaltungen von Gremien, werden jedoch auf Antrag erstattet.2
Soziale Teilhabe und Kampf gegen Vereinsamung
Die Mobilitätsansprüche der Jugend gehen weit über den Schulweg hinaus. Der Zugang zu Sportvereinen, Kulturangeboten und sozialen Kontakten ist für die persönliche Entwicklung essenziell. Besonders in ländlichen Regionen hemmen große Distanzen die soziale Teilhabe. Aktuelle Daten der Bertelsmann Stiftung zeigen, dass die Generation Z mehr und mehr vereinsamt. Demnach fühlen sich fast die Hälfte junger Menschen (46 Prozent) moderat oder stark einsam. 3 mm diesem Problem entgegenzuwirken, zeigen Daten aus sozialwissenschaftlichen Studien, wie entscheidend Mobilität für das psychische Wohlbefinden ist.
Während die Sinus-Jugendstudie den ÖPNV als wichtigen „Raum der Begegnung“ und sozialen Austauschort identifiziert, 4 belegt die Studie „Mobilitätsarmut und soziale Teilhabe in Deutschland“: „Mobilität ist eine wesentliche Voraussetzung für die soziale Teilhabe. Mobilitätsarmut bedeutet daher, dass es zu Einschränkungen in der sozialen Teilhabe aufgrund zu hoher Kosten oder Zeitaufwände für Mobilität kommt.“5
Diese Daten verdeutlichen, dass kostenfreie Mobilität zur Förderung der psychischen Gesundheit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts von Jugendlichen beiträgt.
Finanzielle Entlastung und Rechtssicherheit
Für viele Jugendliche und deren Elternhäuser sind die aktuellen Beförderungspreise schlicht nicht realisierbar. Dies führt zu einer gefährlichen Schieflage: Das Fahren ohne Ticket wird oft aus finanzieller Not in Kauf genommen. Diese geraten daher schnell ins Visier der Strafverfolgung und haben juristische Konsequenzen zu befürchten, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Die Politik könnte Jugendliche besser schützen und vernetzen, indem sie kostenfreie Mobilitätsangebote schaffen und somit zur Entkriminalisierung von Jugendlichen beitragen würde.
Bürokratieabbau und Effizienz
Durch die Einführung eines kostenfreien Deutschlandtickets könnte spürbar Bürokratie abgebaut werden, indem die individuelle Anpassung der Busausweise sowie Kostenrückerstattungen entfallen würden. Zudem ginge dies mit der Einsparung von angenommenen Verwaltungskosten und dem Wegfall der Hürde des individuellen Antrags einher.
Hamburg als Vorreiter
Hamburg hat diese Chance erkannt und bietet seit September 2024 allen Schülerinnen und Schülern ein kostenfreies Deutschlandticket an. Laut dem Senat in Hamburg nutzt die Gruppe über 18-Jährige das Ticket zu 98 Prozent. Grundschüler im Alter von 6 bis 10 Jahren zeigten mit 84 Prozent die geringste Nutzung auf. Durchschnittlich nutzen
91 Prozent das kostenfreie Deutschlandticket. 6 Dies veranschaulicht den hohen Bedarf der Schülerinnen und Schüler.
Attraktivität des Standorts
Der ÖPNV ist eine wichtige Grundlage für eine freie Entfaltung der persönlichen Entwicklung. Insbesondere in den ländlichen Regionen sind Jugendliche auf den ÖPNV angewiesen. mm die ländlichen und städtischen Regionen zu unterstützen, würde ein kostenfreies Deutschlandticket den Barnim für Familien attraktiver machen und die Lebensqualität der Schülerinnen und Schüler verbessern.
Klimaschutz und Mobilitätswende
Ein kostenfreies Ticket könnte ein entscheidendes Puzzleteil in der Mobilitätswende darstellen. Es würde die Verkehrswende langfristig fördern, da junge Menschen frühzeitig an den ÖPNV angebunden werden. Gleichzeitig würde die Zahl der
„Elterntaxis“ sinken, da der ÖPNV eine kostenfreie Alternative bieten würde.
Möglichkeit des Kreistags
Dem Kreisschülerrat ist bewusst, dass der Kreistag angesichts der aktuellen Haushaltslage vor massiven finanziellen Herausforderungen steht. Dennoch sollte die Mobilität der Jugend keine Frage von Restmitteln sein. Er regt daher an, die Prioritäten im Haushalt neu zu bewerten, um das Budget für die Schülermobilität schrittweise auf rund 11,6 Mio. Euro anzuheben. So könne ein kostenfreies Deutschlandticket für alle Schülerinnen und Schüler bereitgestellt werden. 7 Diese Investition ermöglicht den Jugendlichen eine ganztägige und selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben über den Schulweg hinaus. Bildung, Freizeit und persönliche Entwicklung dürfen nicht am Fahrpreis scheitern.
1 Landkreis Barnim (2026): Verwaltungsbericht für den Ausschuss für Bildung und Kultur (A7) vom 12. Februar 2026, S. 9.
3 Bertelsmann Stiftung (2024): Ergebnisse einer repräsentativen Befragung. „Wie einsam sind junge Erwachsene im Jahr 2024?“
4 Sinus-Institut / VDV (2016): Sinus-Jugendstudie „Wie ticken Jugendliche?“
5 Agora Verkehrswende / Stark, K. et al. (2020): „Mobilitätsarmut und soziale Teilhabe in Deutschland“.
6 ZEIT ONLINE (2024): „Schülerticket: 91 Prozent der Hamburger Schüler nutzen Deutschlandticket“.
















