Mochte ich das Cover dieses Buchs? Nein. Sprach mich der Titel an? Auch nicht so richtig. Trotzdem nahm ich es von dem Stapel Vorableseexemplare, den mir die Lieblingsbuchhändlerin unter die Nase hielt. Eigentlich hatte ich ihr gerade mitgeteilt, Reiselektüre bestellen zu wollen, aber sie guckte mich streng an und sagte: Du hast noch genug ungelesene Bücher zu Hause und solltest kein Geld für neue ausgeben. Da war natürlich etwas dran.
Aber ganz ohne neuen Lesestoff wollte sie mich auch nicht nach Hause schicken … Noch am selben Tag begann ich mit den „Scheißkerlen“. Ich gab dem Buch höchstens 50 Seiten, gebe ich zu. Und dann passierte zum Glück schon nach 20 Seiten das Wunderbare: Ich wusste nicht nur, dass ich es definitiv bis Seite 410 schaffen würde, sondern auch dass das wahrscheinlich mein Lieblingsbuch in diesem Jahr sein würde: so ein Herzensbuch eben, das man gern umarmen und streicheln möchte, aus dem man am liebsten sogar der Postbotin etwas vorlesen möchte, weil bitte wirklich alle hören sollen, wie lustig, berührend und tragisch es ist. Und wie exakt, verspielt und überraschend Sprache sein kann. Und was für eine krasse Poesie der Übersetzer Justus Carl da hingelegt hat.
Aber worum geht es eigentlich? Ums Erwachsenwerden im Schweden der 1980er-Jahren unter nicht ganz einfachen Bedingungen: Denn Andrev findet genau zu Weihnachten heraus, dass sein Vater nicht wirklich sein Vater ist. Und er ist eigentlich ganz froh darüber, denn dieser Typ ist eine Zumutung. Und auch alle weiteren Männer, mit denen die Mutter im Laufe seiner Kindheit zusammen ist, haben sich auf die eine oder andere Art den Titel „Scheißkerl“ verdient.
Wie Andrev seine Kindheit trotzdem übersteht und warum alleinerziehende Mütter einfach die krassesten Überlebenskünstlerinnen sind, erfuhr ich in sieben großartigen Kapiteln, die jeweils einem der Männer gewidmet sind. Lest bitte unbedingt dieses Buch!
Inga
Dem kann ich nur zustimmen!
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Kauft bitte lokal!
Melanie Brauchler
















