Die Märkische Oderzeitung meldete am 19. Februar 2026 eine „überraschende Kita-Schließung in Wandlitz“. Überraschend? Das hängt offenbar davon ab, wie aufmerksam man in den letzten Monaten mitgelesen hat.
Denn wer einen Blick in die Fortschreibung der Kita-Bedarfs- und Schulentwicklungsplanung (Stand 31.12.2024) wirft – beschlossen am 3. April 2025 mit nur einer Gegenstimme – dem begegnet dort bereits ein ziemlich klares Drehbuch. Darin ist zur AWO-Kita „Pusteblume“ Haus 1 zu lesen, dass umfangreiche Sanierungen notwendig seien: neue Umkleiden, eine Kindermensa, energetische Maßnahmen, eine alte Heizungsanlage. Kostenpunkt: rund 2,2 Millionen Euro. Und weil man bekanntlich in der Gemeinde Wandlitz nicht einfach so Geld aus dem Fenster wirft, müsse dieser Einsatz „sorgfältig abgewogen“ werden – insbesondere im Hinblick auf sinkende Geburtenzahlen und auf eine neue, schicke Kita am Barnim Panorama.
Diese soll – Kostenpunkt etwa 7 Millionen Euro – im Frühjahr 2026 eröffnen, mit 78 Betreuungsplätzen. Und siehe da: Schon damals war vorgesehen, dass sie die Kapazitäten der Kita „Pusteblume“ kompensiert. In der gleichen Vorlage ist sogar schwarz auf weiß nachzulesen, dass die Kapazität von der Kita „Pusteblume“ ab Ende 2026 schlicht: null Kinder betragen soll. Auch 2027. Mit anderen Worten: Wer zwischen den Zeilen las, konnte sich den Schluss ziemlich leicht zusammenreimen. Die Investition von mindestens 2,2 Millionen Euro in ein sanierungsbedürftiges Gebäude erschien angesichts sinkender Kinderzahlen nicht mehr „wirtschaftlich“. Stattdessen setzte man auf den Neubau – deutlich teurer, aber nun steht er und muss auch genutzt werden.
Umso bemerkenswerter wirkte dann der Auftritt des Bürgermeisters in der jüngsten Gemeindevertretersitzung. Im MOZ-Artikel war zu lesen: “Borchert habe es während der Gemeindevertretersitzung nicht an Empathie fehlen lassen … Er wirkte sichtlich betroffen und sagte, er verstünde uns“, so eine Elternvertreterin. Doch die Planungen zur Schließung der Kita „Pusteblume“ Haus 1 lagen zu diesem Zeitpunkt längst auf dem Tisch. Vom Bürgermeister selbst eingebracht, beschlossen und dokumentiert. Wenn nun also Überraschung im Spiel war, dann höchstens über die eigene Vorlage. Oder war es doch eher ein Fall von erstaunlich selektivem Erinnerungsvermögen?
Dabei hätte es ausreichend Zeit gegeben Eltern und Mitarbeitende frühzeitig einzubeziehen, Sorgen ernst zu nehmen und gemeinsam Lösungen zu diskutieren. Diese Chance blieb ungenutzt. Stattdessen entsteht nun – kurz vor den Bürgermeisterwahlen 2027 – der Eindruck hektischer Schadensbegrenzung. Am Ende steht eine bittere Rechnung: 2,2 Millionen Euro für die Sanierung einer bestehenden Kita galten als schwer vermittelbar. 7 Millionen Euro für einen Neubau hingegen nicht. Die Differenz von rund 4,8 Millionen Euro trägt – wenig überraschend – die Wandlitzer Bürgerschaft. Und ganz nebenbei die Eltern und Kinder, für die diese Entscheidungen angeblich getroffen wurden.
Aber vielleicht gehört genau das zum Wintermärchen: Dass Steuergelder plötzlich ganz leicht wirken. Und „Überraschungen“ erst dann entstehen, wenn jemand laut danach fragt.
Hier noch die Quelle: Vorlage BV-GV/2025-0100 im Ratsinformationssystem der Gemeinde Wandlitz.
















