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Barnim Aktuell » Land Brandenburg » Weniger Verkehrsunfälle in Brandenburg

Weniger Verkehrsunfälle in Brandenburg

Leichter Anstieg bei den Zahlen der verletzten und getöteten Verkehrsteilnehmer / Verkehrssicherheitsarbeit hat weiterhin hohen Stellenwert
  • 25. Februar 2025
  • Land Brandenburg
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Die Zahl der Verkehrsunfälle in Brandenburg ist im vergangenen Jahr gesunken. Insgesamt wurden 73.543 Unfälle registriert, wie Innenministerin Katrin Lange bei der Vorstellung der vorläufigen Verkehrsunfallbilanz 2024 mit Verkehrsminister Detlef Tabbert und Polizeivizepräsident Jan Müller in Potsdam mitteilte. 2023 wurden noch 74.250 Verkehrsunfälle gezählt. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Verkehrsunfallverletzten von 10.948 Verletzten 2023 auf 10.965 Verletze im vergangenen Jahr. Die Zahl der Verkehrsunfalltoten stieg von 108 auf 114.

Lange: „Es ist eine Unfallbilanz mit Licht und Schatten. Es gab im letzten Jahr keine ganz spektakulären Entwicklungen, was die Hauptunfallentwicklungen angeht. Es gibt sicherlich diese oder jene Entwicklung, die der besonderen Aufmerksamkeit bedarf, und manchmal wird das auch erst auf den zweiten Blick deutlich. Aber alles in allem war das Jahr 2024 nicht von ganz unerwarteten und aus dem Rahmen fallenden Entwicklungen gekennzeichnet. Wir hatten insgesamt etwas weniger Unfälle als im Vorjahr – und dabei etwas mehr Verletzte und Tote, allerdings bewegen sich die Veränderungen hier im niedrigen Prozentbereich. Die Aufgabe, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, hat nichts an Aktualität und Bedeutung verloren und bleibt für die Landesregierung ressortübergreifend eine sehr bedeutsame Aufgabe.“

Tabbert: „Das Thema Verkehrssicherheit ist eine Daueraufgabe und erfordert es unvermindert, auf vielen Feldern aktiv zu bleiben. Dazu gehört die Arbeit an Infrastrukturprojekten, die Unterstützung und Vernetzung der Akteure der Verkehrssicherheitsarbeit und unsere Landeskampagne ,Lieber sicher. Lieber leben.´ Obwohl im zurückliegenden Jahr 2024 eine etwas höhere Anzahl an schweren Unfällen im Straßenverkehr zu verzeichnen ist als noch im Jahr 2023 – ein Jahr mit historischem Tiefstand –, befindet sich das Land Brandenburg bereits seit mehreren Jahren auf einem guten Weg. Brandenburg hat sich in den zurückliegenden Jahren auch im Ländervergleich verbessert. Noch 2012 lag Brandenburg bei der Anzahl der Getöteten im Ländervergleich auf dem traurigen letzten Platz. Wir sehen heute eine deutlich positive Tendenz und Brandenburg ist nicht mehr das Schlusslicht. Doch jeder Verletzte ist einer zu viel. Unser klares Bekenntnis bleibt die Vision Zero. Dabei setzen wir zunehmend auf die Stärkung des Bewusstseins für das Thema Verkehrssicherheit bei allen Verkehrsteilnehmern. Wir nehmen dabei vor allem die schwächsten und die ungeschützten Verkehrsteilnehmer in den Blick, insbesondere Kinder und Senioren. Das geschieht durch Verkehrssicherheitsarbeit im klassischen Sinne, also durch Prävention, durch die Steigerung der Verkehrssicherheit durch bauliche und infrastrukturelle Vorhaben, durch unsere Landeskampagne ,Lieber sicher. Lieber leben´ und durch eine intensive Zusammenarbeit mit starken Partnern vor Ort. Denn Verkehrssicherheit geht uns alle an.“

Müller: „Trotz der besonderen Einsatzlagen im vergangenen Jahr hat die Polizei in der Verkehrssicherheitsarbeit nicht nachgelassen. Über 50.000 Verstöße im Straßenverkehr haben unsere Kolleginnen und Kollegen im Jahr 2024 feststellen müssen. Dazu kommen noch mehr als 1,5 Millionen Geschwindigkeitsverstöße. Die Zahlen zeigen deutlich, dass wir hier auch weiterhin nicht nachlassen dürfen und wie wichtig verantwortungsbewusstes Verhalten und Rücksicht im Straßenverkehr sind. Jeder trägt zur Sicherheit auf unseren Straßen bei – mit Aufmerksamkeit, Vorsicht und Respekt gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern.“

Wesentliche Daten des Unfallgeschehens 2024

Mit 48.280 Verkehrsunfällen passierten 65 % aller Verkehrsunfälle innerhalb geschlossener Ortschaften (2023: 49.503). Dabei wurden 6.969 Menschen verletzt (2023: 6.891) und 32 Verkehrsteilnehmer getötet (2023: 34). Die Zahl der Getöteten außerhalb geschlossener Ortschaften ist auf 63 (2023: 56) gestiegen. Insgesamt wurden dort 18.730 Verkehrsunfälle (2023: 17.926) mit 2.734 Verletzten (2023: 2.604) gezählt. Auf Autobahnen wurden 6.533 Verkehrsunfälle (2023: 6.821) registriert. Verletzt wurden dabei 1.262 Verkehrsteilnehmer (2023: 1.453), 19 Menschen (2023: 18) sind bei Verkehrsunfällen auf Autobahnen ums Leben gekommen.

Hauptunfallursachen und Personenschäden

Die häufigste Verkehrsunfallursache war im vergangenen Jahr die nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit bei 6.142 Verkehrsunfällen (2023: 6.151). Die Anzahl der Verletzten ist auf 2.589 (2023: 2.530) gestiegen, wie im Vorjahr wurden auch 2024 50 Verkehrsteilnehmer aufgrund dieser Hauptunfallursache getötet. Abstandsunfälle sind auf 5.824 (2023: 6.681) gesunken, bei der Anzahl der Verletzten konnte ein Rückgang auf 1.716 (2023: 1.873) registriert werden, bei den Getöteten auf 6 (2023: 8). Zurückgegangen sind auch Vorfahrts- und Vorrangunfälle auf 4.312 (2023: 4.483). Die Anzahl der Verletzten ging auf 1.855 (2023: 1.944) zurück, die Zahl der Verkehrsunfalltoten stieg auf 13 (2023: 7).

Ein Anstieg musste bei Abbiegeunfälle auf 2.702 (2023: 2.279) Unfälle registriert werden. Bei der Anzahl der Verletzten ist ein Anstieg auf 1.176 (2023: 970) Personen zu verzeichnen, die Zahl der Getöteten stieg auf 9 (2023: 2). Gestiegen ist auch die Zahl der Unfälle mit der Hauptunfallursache Überholen auf 2.205 (2023: 2.103). Die Anzahl der Verletzten stieg auf 724 (2023: 713), die Zahl der Getöteten auf 15 (2023: 10).

Verkehrsunfälle mit der Unfallursache Alkohol sind auf 1.126 (2023: 1.182) gesunken. Die Anzahl der Verletzten ging auf 602 (2023: 617) zurück, dagegen stieg die Zahl der Getöteten auf 9 (2023: 5). Die Zahl der Verkehrsunfälle unter Betäubungsmitteleinfluss sind auf 229 (2023: 261) gesunken. Ein Rückgang ist bei der Anzahl der Verletzten auf 136 (2023: 155) zu verzeichnen. Unter Einfluss von THC (Cannabis) musste dagegen ein Anstieg bei der Zahl der Unfälle auf 120 (2023: 96) festgestellt werden, die Zahl der Verletzten stieg auf 61 (2023: 52), die Zahl der Getöteten sank auf null (2023: 2).

Zielgruppenbezogene Entwicklungen

Verkehrsunfälle mit Kindern sind auf 726 (2023: 719) gestiegen. Von 940 verunglückten Kindern insgesamt, verunglückten 397 Kinder als Mitfahrer, deutlich weniger als im Vorjahr (2023: 429). Es starben keine Kinder im Straßenverkehr (2023: 2). Die Zahl der verletzten Kinder stieg auf 940 (2023: 922). Durch „Junge Erwachsene“ (Altersgruppe 18 bis einschließlich 24 Jahre) verursachte Verkehrsunfälle sind auf 6.743 (2023: 6.776) gesunken. Die Zahl der Verletzten in dieser Kategorie sank auf 1.250 (2023: 1.366). Die Zahl der Getöteten stieg auf 10 (2023: 4). Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Senioren (Altersgruppe 65+) sind auf 18.423 gestiegen (2023: 18.260). Rund sieben von zehn Verkehrsunfällen (13.207) wurden durch Senioren selbst verursacht (2023: 13.115). Es wurden 50 Senioren getötet (2023: 41) und 1.986 (2023: 1.931) verletzt.

Fahrradfahrunfälle (inklusive Pedelec) sind auf 3.829 (2023: 3.758) gestiegen. Rund die Hälfte der Verkehrsunfälle (1.999) wurden durch Fahrradfahrer selbst verursacht (2023: 2.028). 3.035 Fahrradfahrer wurden verletzt (2023: 2.928) und 11 (2023: 13) getötet. Fußgängerunfälle sind auf 894 gesunken (2023: 911). Mit 322 wurden rund ein Drittel der Verkehrsunfälle durch Fußgänger selbst verursacht (2023: 304). 694 (2023: 684) Fußgänger wurden verletzt und 12 (2023: 19) getötet. Motorradunfälle sind auf 1.291 (2023: 1.237) gestiegen. Mit 734 wurden mehr als die Hälfte der Verkehrsunfälle durch diese selbst verursacht (2023: 689). Die Zahl der getöteten Motorradfahrer sank auf 16 (2023: 17).

Der Güterverkehr war an 11.406 Verkehrsunfällen beteiligt (2023: 10.795). Die Zahl der Verletzten stieg auf 1.304 (2023: 1.207) Die Zahl der Getöteten stieg auf 26 (2023: 21). Auf den Bundesautobahnen ereigneten sich 2.268 Verkehrsunfälle unter Beteiligung eines Güterkraftfahrzeugs (2023: 2.388). Dabei wurden 391 Verkehrsteilnehmer verletzt (2023: 490) und 9 getötet (2023: 10). 

Projekt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit des Polizeipräsidiums

Das Polizeipräsidium startet heute offiziell ihren „Prävention Polizei BB“ Kanal auf WhatsApp. Damit erweitert die Polizei die Maßnahmen zur Verkehrssicherheits- und Kriminalprävention um eine weitere digitale Möglichkeit. Über diesen WhatsApp-Kanal erhalten die Bürgerinnen und Bürger künftig wertvolle Hinweise zum sicheren Verhalten im Straßenverkehr, aktuelle Warnmeldungen zu Betrugsmaschen sowie Informationen zu Präventionsveranstaltungen.

Verkehrssicherheitsarbeit im Fokus

An der Verbesserung der Verkehrssicherheit in Brandenburg arbeitet das Verkehrsministerium intensiv und auf Basis des Verkehrssicherheitsprogramms 2034 unter dem Titel „Sicher unterwegs in Brandenburg“. Kernziel dieses Handlungsleitfadens für die kommenden zehn Jahre ist, die Zahl der Verletzten und Getöteten im Straßenverkehr weiter zu senken.

Dazu unterstützt das Land Brandenburg insbesondere die Landesverkehrswacht, die örtlichen Verkehrswachten sowie Netzwerkpartner dabei, Projekte der Verkehrssicherheitsarbeit umzusetzen, insbesondere für die Zielgruppen Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene und Senioren.

Dies geschieht auf drei Ebenen:

  • Verkehrssicherheitsarbeit im klassischen Sinne durch Unterstützung von Maßnahmen und Projekten für konkrete Zielgruppen,
  • bauliche Investitionen in Verkehrssicherheit und
  • die Landeskampagne „Lieber sicher. Lieber leben.“

Beispiele hierfür sind der jährliche Landeswettbewerb „Bester Radfahrer“ der Landesverkehrswacht, die Arbeit an Schulen des Netzwerkes Verkehrssicherheit durch Sichtbarmachung/Sensibilisierung für das Thema Verkehrssicherheit, die Sensibilisierung für Gefahren des „Toten Winkels“, das E-Scooter Training für junge Erwachsene und auch das Fahrsicherheitstraining für Autofahrer.

Daneben ist die Verkehrssicherheit auch bei allen baulichen Maßnahmen im Straßenverkehr im Fokus. Zum Beispiel beim Bau und Ausbau von Radwegen, bei den Investitionen in Fahrradparkhäuser und -boxen in Kommunen, insbesondere an Verknüpfungspunkten zum Öffentlichen Personennahverkehr. Derzeit laufen in enger Kooperation mit der kommunalen Familie die konzeptionellen Vorbereitungen für ein baulastträgerübergreifendes „Radnetz Brandenburg“.

Die Beseitigung von Unfall-Häufungsstellen ist ein weiterer Ansatz, beispielsweise durch den Bau von Querungshilfen für Fußgänger, den Bau von sicheren Fußwegen und Baumaßnahmen zur Schul- und Spielwegsicherung.

Pilotprojekt Fußverkehrs-Checks

In Kürze startet das Verkehrsministerium ein Pilotprojekt „Fußverkehrschecks“ in Finsterwalde, Frankfurt (Oder) und Zeuthen. Ziel ist die Stärkung des Fußverkehrs durch die gezielte Betrachtung in den drei Kommunen. Die Umsetzung geeigneter Maßnahmen soll angeregt und dadurch Erkenntnisse für die künftige Unterstützung der Kommunen gewonnen werden. 

Das Ziel ist, bei sämtlichen Vorhaben im Bereich Mobilität das Thema Verkehrssicherheit von Beginn an mitzuplanen und mitzudenken.

Neuausrichtung der Kampagne „Lieber sicher. Lieber leben.“

Seit nunmehr 28 Jahren läuft in Brandenburg die Kampagne „Lieber sicher. Lieber leben“. Im vergangenen Jahr erfolgte eine Neuausrichtung der Kampagne. Themen der Verkehrssicherheit werden im Sinne positiver Botschaften an die Empfänger adressiert, beispielsweise das Tragen von Fahrradhelmen, Beleuchtung an Fahrrädern oder Benutzung eines Taxis für den sicheren Heimweg. So stand in der Vorweihnachtszeit die Sichtbarkeit im Straßenverkehr gerade in der dunklen Jahreszeit im Zentrum von Plakaten und Videoclips, die im ÖPNV ausgespielt wurden.

„Lieber sicher. Lieber leben.“ klärt über die Risiken im Straßenverkehr auf und möchte jede Einzelne und jeden Einzelnen zu rücksichtsvollem und aufmerksamem Handeln motivieren. Mit verschiedenen Aktivitäten und Formaten, beispielsweise dem ZeBra Theater für Schulen oder Aufklärungsaktionen für sicheres Radfahren, geht die Kampagne auf ihre Zielgruppen zu. „Lieber sicher. Lieber leben.“ ist die am längsten laufende Kampagne in einem Bundesland.

Von: Ministerium des Innern und für Kommunales (MIK)
Tags: landesregierungSicherheitVerkehr im Barnim

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